

Übersicht:
Tunisia
Al-Jumhuriyah at-Tunisiyah
Republic of Tunisia
Nordafrika
Geographische Lage: 34°00 N / 9°00 O
Tunesien liegt an der Mittelmeerküste Nordafrikas, 130 km südwestlich von Sizilien und 160 km südlich von Sardinien. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, mit Klippen an der Nordküste und Wäldern im Landesinneren sowie tiefen, fruchtbaren Tälern und Wüsten, steilen Bergen und salzigen Niederungen, die unter dem Meeresspiegel liegen. Südlich von Gafsa und Gabès beginnt die Sahara. Vor der über 1000 km langen Küste liegen zahlreiche kleine Inseln, darunter Djerba im Süden und Kerkennah im Osten. Mit Pinien bewachsene Hügel erstrecken sich vom Nordwesten bis zum Südosten, dahinter liegen saftiges Weideland, Obstgärten, Weingüter und Olivenhaine.
Zeitzone: MEZ
Fläche: 163.610 qkm
Höchster Punkt: Jabal ash Shanabi 1544 m
Tiefster Punkt: Shat al Gharsah - 17 m
Klima: Mediterranes Klima im Norden. In den Sommermonaten (Juni bis September) heiß, von Dezember bis Februar kühl, zum Teil auch kalt, windig und regnerisch. Der Rest des Jahres ist frühlingshaft bis sommerlich warm. Im Süden ist der Einfluß der Sahara vorherrschend.
Flora und Fauna: Mediterrane Vegetation im fruchtbaren Küstenabschnitt, Steppenlandschaft bis zur trockenen Sahararegion. Wasserbüffel, Luchse, Wölfe, Gazellen, Wildschweine, Wüstenmäuse, Springmäuse, Schlangen, Eidechsen, Skorpion.
Hauptstadt: Tunis
Bevölkerung: 10,029.000
Bevölkerungsdichte: 61/qkm
Ethnische Zusammensetzung: Araber 98%, Berber 1%
Religion: Muslim 98%, Christen 1%
Sprache: Amtssprache ist Arabisch. Tunesisch, ein westarabischer Dialekt, wird als Umgangssprache gesprochen. Französisch ist wichtig für Geschäftsleute und nützlich für Touristen - es wird als Zweitsprache in den Schulen gelehrt. Englisch und Deutsch versteht man mitunter in größeren Städten und Urlaubsorten.
Politisches System: Präsidialrepublik seit 1959 (Ausrufung der Republik 1957). Verfasung von 1959. Einkammerparlament (Assemblée Nationale) mit 182 Mitgliedern, die alle fünf Jahre gewählt werden; 34 Sitze sind für die Opposition reserviert. Es gibt verschiedene beratende Körperschaften: den Staatsrat, den Sozial- und Wirtschaftsrat, den Konstitutionsrat und den höheren islamischen Rat. Staatsoberhaupt: Zine el-Abidine Ben Ali, seit 1987; 1999 wiedergewählt. Regierungschef: Mohamed Ghannouchi, seit 1999. Unabhängig seit 1956 (ehemaliges französisches Protektorat).
Währung: 1 Dinar = 1000 Milimem
Durchschn. Kaufkraft/Jahr: 6.100 EUR
Wirtschaft: Tunesien hat weniger Bodenschätze als die angrenzenden Nachbarländer, eine umsichtige Wirtschaftspolitik hat dem Land jedoch einen gewissen Wohlstand gebracht. Landwirtschaft und Bergbau sind die Grundlagen der Wirtschaft. 21% der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Die wichtigsten Agrarerzeugnisse sind Oliven, Weizen, Gerste, Olivenöl, Wein und Obst. Es wird viel Phosphat, Eisen, Blei und Zink abgebaut. Tunesien exportiert auch Erdöl in kleinen Mengen. Die herstellende Industrie ist klein und beschränkt sich auf Petroleumderivate und die Veredelung von Phosphaterzen. Die vermehrte Ausfuhr von Elektrogütern hat zu einem beträchtlichen Exportzuwachs geführt. Die Regierung bemüht sich mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds und der Einführung liberaler Handelsgesetze um einen Ausbau der Wirtschaft. Die Arbeitslosenrate betrug 1996 16% und die Inflationsrate lag 1998 bei 3,8%. Tunesiens wichtigster Handelspartner ist die EU, deren Mitgliedsländer (vor allem Frankreich, Italien und Deutschland) drei Viertel aller Exportgüter abnehmen. Die wirtschaftlichen Beziehungen sollen in den nächsten 12 Jahren noch verstärkt werden. Tunesien ist Mitglied der Arabischen Liga und der Union des Arabischen Maghreb.
Getreide, Oliven, Halfagras, Kork, Viehzucht.
Gewinnung von Phosphaten, Eisenerz, Erdgas, Erdöl.
Ölmühlen, Zuckerfabriken, chem., Textil-, Zement-, Metall-, Schwerindustrie.
Tourismus.
Exportgüter: Erdöl, Olivenöl, Phosphate, Obst, Wein.
Landwirtschaft: 12%
Industrie: 28%
Dienstleistung: 60%
Lebenserwartung: 74 Jahre
Analphabetenrate Männer: 19%
Analphabetenrate Frauen: 39%
Information: http://www.tourismtunisia.com/
Das Land
Drei Viertel der Fläche werden von Tiefebenen eingenommen. Im Norden greifen die Ausläufer des Atlas (Jabal Shahambi 1544 m), zwischen die fruchtbare Talzonen eingeschlossen sind, in das Land hinein. Südlich folgt eine steppenhafte, von einzelnen Bergen überragte Hochebene. Die Küste wird von Halbwüste begleitet, während der Süden mit dem Salzbecken des Chott Al Djerid und des Chott Al Fedjadj zur Sahara gehört. Im Südosten reichen die Dünen des östlichen Großen Erg nach Tunesien hinein. An der Küste herrscht Mittelmeerklima, nur dort wächst an den Berghängen in größeren Beständen Wald, während es nach Süden immer heißer und trockener wird.
Die Bevölkerung
Die Bevölkerung besteht überwiegend aus Arabern, daneben gibt es kleinere Gruppen von Berbern. Die Zahl der Europäer (vor allem Franzosen und Italiener) ist in den letzten Jahren sehr stark zurückgegangen. 98% der Bevölkerung gehören dem sunnitischen Islam an, der Staatsreligion ist. Die Staatsuniversität in Tunis (gegründet 1960) wird durch die beiden neuen Universitäten (gegründet 1986) in Sfax und Monastir entlastet.
Die Wirtschaft
Im Norden und Nordosten ermöglichen die Niederschläge den Anbau von Getreide, Oliven, Wein, Südfrüchten und Gemüse. Im westlichen Steppengebiet Mitteltunesiens sind weite Flächen mit dem wild wachsenden Halfagras bedeckt, das zur Herstellung von Grobtextilien und Papier verwendet und teilweise exportiert wird. In den südlichen Oasen dienen die Dattelpalmen und der Gartenbau als Lebensgrundlage. Die wichtigsten Bodenschätze sind Naturphosphat (fünftgrößter Lieferant der Erde), Eisenerz sowie Erdöl und Erdgas. Die Industrie hat sich in jüngster Zeit rasch entwickelt. Sie verarbeitet landwirtschaftliche Produkte (Olivenöl, Konserven, Zucker) und erzeugt vor allem Textilien, Erdölprodukte, Elektrogeräte, Chemikalien sowie Cellulose. Eine bedeutende Rolle spielt nach wie vor die handwerkliche Herstellung von Teppichen, Lederwaren und Kunstschmiedearbeiten. Hauptausfuhrgüter sind Textilien, Erdöl, Phosphat sowie Olivenöl, Obst und Südfrüchte. Der Fremdenverkehr, besonders an der Mittelmeerküste, hat sich zum wichtigsten Devisenbringer entwickelt.
Der Verkehr
Das Straßennetz ist relativ gut ausgebaut (29 083 km). Der Eisenbahnverkehr dient vor allem der Beförderung der Bergbauprodukte. Die wichtigsten Häfen sind Tunis-Goulette, Bizerte, Sousse, Sfax und der Erdölhafen As Sahirah. Internationale Flughäfen gibt es in Tunis, Djerba, Monastir und Tozeur.
Die Geschichte
Aus phönizischen Kolonien entstand im Altertum in Tunesien das Reich von Karthago, das 146 v. Chr. von den Römern zerstört und zur Provincia Africa gemacht wurde. 439-533 n. Chr. wurde Tunesien von Wandalen, seit 533 von Byzanz beherrscht. Ende des 7. Jahrhunderts eroberten die islamischen Araber das Land und gründeten in Kairouan eine Militärkolonie. Seit dem 9. Jahrhundert herrschten verschiedene Dynastien, seit 1226 die Hafsiden, die 1574 Tunesien an die Türken verloren. 1705 begründete Hussain Ben Ali, ein türkischer Offizier, die Bei-Dynastie der Hussainiden, die von der Türkei nur nominell abhängig war. 1871 erkannte die Türkei die Unab-hängigkeit Tunesiens an. Um den Besitz Algeriens zu sichern und um den Italienern zuvorzukommen, zwang Frankreich 1881 im Bardo-Vertrag den Bei, Tunesien der französischen Schutzherrschaft zu unterstellen. Während der Kämpfe in Nordafrika im 2. Weltkrieg (1942/43) sympathisierte der Bei Mohammed Al Munsaf mit den Deutschen und Italienern; er wurde nach der Kapitulation der deutschen und italienischen Truppen im Mai 1943 durch Mohammed Al Amin ersetzt. Nach dem Krieg forderte die Neo-Destour-Partei Habib Bourguibas die Unabhängigkeit; da diese nicht gewährt wurde, kam es 1953 zu blutigen Unruhen. 1955 erlangte Tunesien die innere Autonomie, am 20. 3. 1956 die volle Unabhängigkeit. Bourguiba wurde Ministerpräsident; er setzte 1957 den Bei ab und machte sich zum Staatspräsidenten (seit 1975 auf Lebenszeit). Bis 1963 behielt Frankreich den Stützpunkt Bizerte. Ein 1974 vereinbarter Zusammenschluss mit Libyen wurde von Tunesien widerrufen. 1987 wurde Bourguiba wegen krankheitsbedingter Amtsunfähigkeit abgesetzt. Neuer Präsident wurde Z. A. Ben Ali. Oppositionsparteien wurden zugelassen, doch gewann die Regierungspartei "Konstitutionelle Demokratische Sammlung" (RCD; früher Neo-Destour) bei Wahlen 1989 alle Parlamentssitze. Bei den Präsidentschaftswahlen 1994 wurde Ben Ali in seinem Amt bestätigt. Die gleichzeitigen Parlamentswahlen sicherten der RCD 144 Mandate. Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit konnte auch die Opposition ins Parlament einziehen. Trotzdem änderte sich nichts an der beherrschen-den Stellung des Präsidenten, der 1999 mit über 99 % der Stimmen für eine dritte Amtszeit gewählt wurde.
Reiseinformation
Tunis und Umgebung
Tunis ist eine moderne Hauptstadt mit eleganten Hotels, Geschäften und Unterhaltungsmöglichkeiten aller Art. In der Mitte liegt die Medina (die Altstadt), eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte der islamischen Welt. Der Haupteingang an der Porte de France und der britischen Botschaft führt direkt zur Rue Djamaa Ez-Zitouna, der Hauptstraße der Souks (Märkte). Weitere Souks, die sich mitunter auf ganz bestimmte Produkte spezialisiert haben, zweigen von der Hauptstraße ab. Djamaa Ez-Zitouna, die große Moschee, ist eine gute Orientierungshilfe.
Das Bardo-Museum ist im ehemaligen Palast des Bey untergebracht und beherbergt karthagische, römische, byzantinische und arabische Schätze. Das Nationalmuseum hat prähistorische, punische, römische und byzantinische Ausstellungsstücke und steht auf den Ruinen des Antonius-Bades, das man ebenfalls besichtigen kann. Im bewaldeten Belvédère-Park oberhalb der Stadt gibt es einen moslemischen Pavillon und einen Zoo. Im Vorort La Soukra findet man einen Golfplatz und Reitställe.
Urlaubsorte: Im Nordosten von Tunis liegt der Hafen und Badeort La Goulette; dort kann man an heißen Sommernächten vor den Restaurants und Cafés sitzen und Fischspezialitäten und andere tunesische Gerichte an der frischen Luft genießen. Weiter an der Küste entlang gibt es die Ruinen von Karthago zu besichtigen, einer Stadt, die einst ebenso berühmt war wie Rom, Sidi-Bou Said, La Marsa und Gammarth sind ebenfalls sehenswert. Alle Städte können von Tunis aus mit der Bahn erreicht werden. Sidi-Bou Said ist eine mit Bougainvillea, Nelken und Geranien bewachsene Landspitze mit vielen, im andalusischen Stil erbauten Villen mit leuchtendblauen Türen und Fensterläden. La Marsa, Gammarth und Raouad liegen in einer grünen Landschaft mit herrlichen Sandstränden und bieten ausgezeichnete Hotels, internationale Restaurants und ein interessantes Nachtleben.
In den südlichen Randgebieten liegt Hammam-Lif, ein kleines Urlaubsdorf am Strand, das vom Djebel Bou Kornine (einem Berg mit zwei Gipfeln) überragt wird.
Der Norden
Dieser als »Grünes Tunesien« bekannte Landesteil ist eine wunderschöne Gegend mit Hügeln, Bergen und fruchtbaren Ebenen. Das Wetter ist auch im Sommer etwas kühler als im Süden. Die Hotels an der Küste sind erstklassig. Bizerte war früher die römische Stadt Hippo Dyarrytus. Der alte Fischereihafen, die Kasbah (arabisches Altstadtviertel) und das andalusische Viertel sind erhalten geblieben. Breite Alleen ziehen sich durch die Stadt, moderne Hotels mit schönen Gärten und die prächtige Kongreßhalle liegen an der Corniche oberhalb der Dünen. Die Landschaft um Cap Bizerte, Cap Blanc, den Bizerte-See und den Ichkeul-See lädt zu Spazierfahrten ein. Der Ichkeul-See ist das Habitat vieler Arten von Federwild und der bewaldete Djebel Ichkeul die Heimat von Büffeln.
Utica, 32 km von Bizerte und Tunis entfernt, ist eine alte phönizische Siedlung. Raf Raf in der Nähe ist ein bezauberndes Dorf auf einer Hügelkuppe.
Nach Tabarka, einer Hafen- und Urlaubsstadt ca. 140 km westlich von Bizerte, gelangt man über eine kurvenreiche Straße, die durch Teskraia und Djebel Aboid führt. Die friedliche Stadt Tabarka hat eine genuesische Festung, die Einwohner betreiben Fischfang (Seehecht und Meerbarbe) und tauchen nach Korallen. Die Korallenbänke laden zum Erforschen mit der Taucherbrille ein. Ein großer 10.000-Betten-Komplex wird gerade gebaut, ebenso ein Jachthafen. In der Nähe des Hügeldorfs und Seebads Ain Draham kann man das ganze Jahr über Rotwild, Luchse und Schakale beobachten. Weiter südlich, an Bulla Regia (s. Historische Stätten) vorbei, stößt man auf das hochgelegene El Kef mit Thermalquellen.
Cap Bon
Hammamet, 65 km von Tunis entfernt, liegt an der Südspitze von Cap Bon und ist Tunesiens beliebtester und am besten erschlossener Urlaubsort. Die Hotels sind in den unterschiedlichsten maurischen Baustilen errichtet worden. Die vom Meer umgebene Medina (Altstadt) hat eine Stadtmauer und wird von einer goldbraunen Kasbah bewacht, von deren Türmen aus man einen herrlichen Blick hat. Das türkische Bad (Hammam) ebenso wie die Kasbah und die Moschee stammen aus dem 15. Jahrhundert. Auch ausländische Besucher dürfen das Bad benutzen. Ein breiter Sandstrand führt von der Medina aus zum Erholungsgebiet. Direkt dahinter liegen die Läden, Restaurants, Nachtklubs, Bars und Cafés. Das Unterhaltungsangebot der Ferienhotels umfaßt u. a. Diskotheken und Folkloreabende.
Das Internationale Kulturzentrum hat eine der schönsten Gartenanlagen Tunesiens. Sie ist Schauplatz für Konzerte unter freiem Himmel, für Bühnenstücke von internationalem Rang und Folklore-Darbietungen.
Nabeul ist eine moderne Stadt ca. 10 km östlich von Hammamet. Sie steht auf Ruinen aus punischer und römischer Zeit und hat ihre jahrhundertealte Tradition der Herstellung von Tontöpfen und feiner Keramik, Parfüm, Spitze und Lederwaren beibehalten. Jeden Freitag ist Markttag. Die Hotels und Ferienhäuser, die im traditionellen Stil gebaut sind, liegen nahe am wunderschönen Strand und den Geschäften und Freizeitanlagen. Cap Bon hat ein ganzjährig mildes Seeklima, eine leicht erreichbare Küste und ist landschaftlich sehr abwechslungsreich. Cap Bon ist die Landzunge zwischen dem Golf von Tunis und dem Golf von Hammamet und ein großes Weinanbaugebiet, in dem auch Feigen, Oliven, Orangen, Zitronen und Getreide angebaut werden. Der ehemalige Palast des Bey von Tunis in Korbous ist in ein Kurzentrum umgewandelt worden, in dem Arthritis und Hautkrankheiten mit therapeutisch wirksamen Mineralwassern behandelt werden. Vom nahegelegenen Fischerstädtchen Sidi Daoud aus kann man die Inselchen Zembra und Zembretta erreichen.
El Haouraria liegt in der Waldregion am Rande des Kaps. Alljährlich überfliegen zahlreiche Zugvögel das Dorf, und jeden Frühling findet hier ein Fest der Falkner statt. Ganz in der Nähe ragen die Klippen bis zu 400 m hoch auf. Kerkouane hat eine große archäologische Ausgrabungsstätte aus der punischen Zeit. Kelibia ist ein Fischerstädtchen mit Burgruine.
Landeinwärts von Cap Bon liegen Zaghouan und Thuburba Majus.
Die Ostküste
Dieses zentrale Küstengebiet bietet eine Hügellandschaft und Gärten und Haine mit Oliven-, Granatapfel- und Mandelbäumen. Die Hügel enden in weißen Sandstränden, Felsenklippen und Unterwasserfelsen. In den Dörfern der steinigen Landschaft werden Oliven und Obst angebaut. In kleinen Museen sind Sammlungen mit jahrhundertealtem Goldschmuck zu sehen. Viele Handwerker in den Städten üben auch heute noch die Goldschmiedekunst aus. Diese Gegend ist auch für traditionelle Webstoffe bekannt. Besonders bemerkenswert sind die Baumwollstoffe von Ksar Hellal und die Wollstickereien von Mahdia und El Djem (s. Historische Stätten). In Hergla werden Filter aus Alfalfa hergestellt, die im ganzen Land für die Olivenpressen benutzt werden. Viele der Städte und Dörfer stehen auf Ruinen römischer und punischer Siedlungen. Die Museen von Sousse und El Djem beherbergen Sammlungen mit ungewöhnlichen Mosaiken, die den außergewöhnlichen Reichtum dieser Gegend während der römischen Herrschaft zeigen. Dieser Reichtum war einer der Gründe, der die Araber bewog, die größten Städte hier zu errichten, Kairouan, ein wichtiger religiöser Mittelpunkt, und Mahdia, heute ein beliebter Urlaubsort.
Sousse, Tunesiens drittgrößte Stadt, ist eine bedeutende Hafenstadt und liegt in einer günstigen Position an der Ostküste. Die Sandstrände reichen bis zum 7 km entfernten Port el Kantaoui im Norden und sind ideal für Pferde- und Kamelritte. Die meisten Hotels liegen außerhalb dieser modernen Stadt, deren Cafés, Bars, Diskotheken und ausgezeichnete Restaurants Alternativen zu den von den Hotels angebotenen Unterhaltungen und Folkloreabenden bieten. Imposante uralte Wehrgänge umgeben die Altstadt. Das Ribat aus dem 8. Jahrhundert gehört zu einer Kette von befestigten Klöstern, die gebaut wurden, um Nordafrika gegen Angriffe der Christen zu verteidigen. Von den Wachtürmen aus hat man einen guten Blick über die Medina und die Gartenterrasse des Museums, dessen faszinierende »Zeichentrick«-Mosaiken man gesehen haben muß.
Port el Kantaoui ist ein Gartenstädtchen mit Jachthafen und einem Meisterschafts-Golfplatz. Viele Hotels haben große Rasenflächen, die zu den feinsandigen Stränden herabführen. Es gibt ausgezeichnete Möglichkeiten zum Hochseefischen.
Monastir, 24 km weiter südlich, ist ein kleiner Urlaubsort und bekannt für seine Moschee aus dem 10. Jahrhundert. Monastir ist eine Mischung aus alt und modern. Während der Hochsaison gibt es zahlreiche Feste und Pferderennen. Außerdem kann man auch ein Museum für Islamische Kunst besuchen.
21 km weiter südlich liegt der Marktort Moknine. Ein Teil der Bevölkerung ist jüdisch, und ihr traditioneller Schmuck gehört zu den faszinierendsten Ausstellungsstücken im kleinen Volksmuseum.
Mahdia liegt 25 km weiter südlich an der Küste, ist ein Fischerstädtchen und Urlaubsort. Der allgegenwärtige Obaid Allah, bekannt als der Mahdi, baute Mahdia im 10. Jahrhundert zur Hochburg und Hauptstadt der Fatimiten-Dynastie auf.
Die Inseln Djerba und Kerkennah
Die Insel Djerba hat eine Größe von 514 qkm und ist über einen 6 km langen Damm mit dem Festland verbunden. Eine Fähre verkehrt regelmäßig, und es gibt einen Flughafen. Houmt Souk ist die Marktstadt für die umliegenden Bauernhöfe und Dörfer. Es gibt ca. 40 Hotels an den Stränden. Mehrere Dörfer auf Djerba spezialisieren sich auf ein bestimmtes Produkt - in Guellala wird z. B. Keramik hergestellt, und in Adjim taucht man nach Naturschwämmen.
Kerkennahs zwei bewohnte Inseln, Gharbi und Chergui, sind mit der Autofähre vom schönen Sfax aus erreichbar. Es gibt ein Feriendorf und mehrere Hotels. Die einzige vorhandene Industrie ist die Fischerei. Kerkennah ist bekannt für seine traditionellen und farbenfrohen Hochzeiten.
Zentraltunesien
Die Oasen und Chotts (riesige getrocknete Salzseen) lassen eine eigenartige und unheimliche Atmosphäre entstehen. Die Chotts sind im Sommer weiß überkrustet (zu dieser Jahreszeit sind die Straßen am besten befahrbar) und erwecken den Eindruck unendlicher Weite. Trugbilder in Form von Palmen kann man manchmal am Nachmittag sehen. In den Oasen wachsen zahllose Dattelpalmen.
Das leicht erreichbare Gabès ist eine im Süden gelegene Oase am Meer; man kann mit einer Pferde-Calèche durch die Straßen der Oase fahren. Gabès hat auch einen Hafen und ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge durch die Chotts zu den landeinwärts gelegenen Oasen Gafsa, Tozeur, Nefta und Douz oder weiter südlich zur Sahara und den Matmata-Bergen (s. Der Süden). Gafsa, etwa 160 km landeinwärts, ist eine Stadt mit rosaroten Mauern; eine Thermalquelle (30°C) verteilt sich über drei römische Zisternen. Der Zoo liegt am Stadtrand.
Tozeur ist vielleicht die üppigste Oase des ganzen Landes. 200 Quellen bewässern Tausende der besten Dattelpalmen. Man kann auf einem Esel oder auf einem Kamel durch die Oase reiten. Die Gebäude wurden aus ungebrannten Ziegeln in einem geometrischen Muster gebaut. Tozeur hat einen internationalen Flughafen und wird oft, wie auch Nefta, mit einem Küstenort kombiniert als Pauschalreiseziel angeboten.
Nefta: Die Stadt besteht aus sandfarbenen Häusern und liegt auf einem Hügel oberhalb der Oase. Trotz eines luxuriösen 4-Sterne-Hotels fühlt man sich wie in einer abgelegenen Grenzstadt. Nördlich von Tozeur und Nefta liegen die von Lehmwällen umgebenen Dörfer Chebika, Tamerza und Mides.
Im Südosten, hinter Kebili, liegt Douz an der Grand Erg Oriental, dem großen Sandsee der östlichen Sahara. Donnerstags wird der Kamelmarkt abgehalten, der, ebenso wie die Marhoul-Zeremonie, äußerst schöne Fotos liefert - dieses Sahara-Fest findet jedes Jahr im Januar in der Nähe von Douz statt; man feiert den Beginn des saisonbedingten Abwanderns der Nomaden in die Wüste mit Ritualen wie Kamelringen und Dichterturnieren, Folkloretänzen und musikalischen Darbietungen.
Mitunter sieht man eine "Wüstenrose": kristallisierte Mineralien werden durch starke Sonnenbestrahlung zu blumenähnlichen Formen "gebacken".
Der Süden
Ein unterirdisches Hotel in einer Mondlandschaft, Höhlensiedlungen tief im Berg und wie gigantische Honigwaben anmutende Häuser in uralten steinernen Getreidesilos sind nur einige der faszinierenden Sehenswürdigkeiten, die man südlich von Gabès, Djerba oder Zarzis besuchen kann.
Matmata und andere Berberdörfer bestehen zum großen Teil aus in den Erdboden gegrabenen Vertiefungen: ein guter Schutz gegen Sommerhitze und rauhe Winterwinde. Es gibt sogar unterirdische Ölfabriken, in denen Kamele benutzt werden, um die Olivenpressen zu betreiben. Kuppeln, die über den Erdboden reichen, sind Zeichen für Marabouts, Schreine heiliger Männer. Die Landschaft Matmatas besteht aus stark verwitterten kegelförmigen Hügelchen, die von engen Schluchten durchzogen werden, in denen hier und da Oliven- und Feigenbäume wachsen.
Die Straße südöstlich von Gabès führt durch Mareth nach Medenine. Diese Marktstadt hat ein Ksar, eine befestigte Zitadelle, die von alten Getreidespeichern (Ghorfas) umgeben ist; einige der Silos sind 2-3 Stockwerke hoch und z. T. bewohnt. Andere Ghorfas wurden zu Gasthäusern umgebaut oder sind kleine Läden, in denen man Silberschmuck der Beduinen kaufen kann. Auf einer Rundfahrt von Medenine nach Foum Tataouine kann man weitere Ksars besichtigen, einschließlich Ksar Djouama (14. Jh.), Beni Kheddache auf einer Bergspitze, Haddada mit einem kleinen Hotel und Ghoumrassen in einem Tal. Alle haben Höhlenwohnungen. Die Straße sollte mit einem Jeep befahren werden. Die schönsten Berg-Ksars sind Ouled Soltane, südlich von Tataouine und Chenini im Westen. Die Straße nach Chenini führt im Zickzack durch eine zimtfarbene Berglandschaft.
Die Ausläufer der Sahara liegen südlich von Tataouine, Remada und Borj Bourguiba. Einige örtliche Reiseunternehmen veranstalten Fahrten mit dem Landrover. Individualreisende sollten strengste Vorsorgemaßnahmen treffen, man kann in der Wüste sehr leicht die Orientierung verlieren. Es ist lebensnotwendig, den Posten der Nationalgarde in Medenine oder der nächstliegenden Stadt zu benachrichtigen. Reiseroute, Zeitdauer und Ziel der Fahrt müssen dem diensthabenden Offizier mitgeteilt werden; ein entsprechendes Fahrzeug muß mit ausreichend Wasser, Lebensmitteln, Reparatur- und Erste-Hilfe-Ausrüstung und Zelt ausgestattet sein. Es sollte nur ein erfahrener Führer mitgenommen werden, und es ist angebracht, genaue Wettervorhersagen einzuholen, besonders für längere Fahrten. Am besten macht man sich zusammen mit anderen Fahrzeugen auf den Weg und hinterläßt an jedem Gardeposten die Reiseroute.
Zarzis in der Nähe von Djerba ist ein Urlaubsort mit einer Oase an der Küste, die aus rund 500.000 Palmen und 100.000 Olivenbäumen besteht.
Historische Stätten
Tunesien verfügt über eine große Zahl teilweise gut erhaltener Überreste punischer, römischer, byzantinischer und islamischer Siedlungen. Die bekannteste historische Stätte ist Karthago in der Nähe von Tunis, Stadt der legendären Königin Dido, die mit Rom um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum rang.
Wahrzeichen der kleinen weißgetünchten Stadt El Djem (40 km landeinwärts von Mahdia) ist das gut erhaltene Kolosseum. Die ockerfarbenen Außenwände sind 35 m hoch, einst gab es hier 30.000 Sitzplätze.
Kairouan(50 km landeinwärts von Sousse) ist nach Mekka, Medina und Jerusalem die viertwichtigste Stadt des Islam. Sie wurde 670 n. Chr. von einem Anhänger des Propheten Mohammed gegründet, der viele wundersame Erscheinungen hatte und steht an der Stelle, an der eine Quelle entsprang. Es heißt, daß sieben Besuche in Kairouan einer Fahrt nach Mekka entsprechen. Der Vorhof der Großen Moschee (die auch von »Ungläubigen« besucht werden darf) soll an heiligen Tagen bis zu 200.000 Pilger aufnehmen können. Es gibt viele andere Moscheen und Schreine, die Große Moschee ist jedoch die heiligste Stätte. Der Gebetsraum wird von einem mehrfarbigen »Säulenwald« aus römischer, byzantinischer und arabischer Zeit getragen. Die 5 m hohe, kunstvoll geschnitzte Holzkanzel stammt aus dem 9. Jahrhundert, wie auch das Minarett mit 128 Stufen.
Utica ist von Tunis oder Bizerte aus erreichbar und war bereits um 1100 v. Chr. eine phönizische Kolonie. Damit ist sie älter als Karthago, ihre Rivalin späterer Jahrhunderte. Durch ein großes Rundbogentor kann man den Marmorfußboden eines Palastes und den Rosmaringarten bewundern.
Dougga liegt 100 km südwestlich von Tunis. Das 168 n. Chr. von den Römern erbaute Theater hat 3500 Plätze und wird heute noch für Aufführungen klassischer griechischer Dramen und der Comédie Française benutzt. Das Kapitol soll das großartigste in Nordafrika sein.
Bulla Regia, südlich von Tabarka, hat mindestens 23 interessante Sehenswürdigkeiten aus römischer, frühchristlicher und byzantinischer Zeit. Viele der besten Mosaiken sind ins Bardo-Museum nach Tunis gebracht worden, aber der »Jagdpalast« besitzt Mosaiken mit wilden Tieren und Jagdszenen sowie erkennbare Spuren des Speisezimmers, der Küche und des Schlafzimmers.
Sbeitla, 160 km landeinwärts von Sousse und Sfax, ist eine der größten archäologischen Stätten des Landes. Es gibt unzählige Ruinen römischer Tempel und Bäder, frühchristlicher Kirchen und byzantinischer Festungen.
Verkehrsmittel:
FLUGZEUG: Das Inlandflugnetz wird von Tuninter (UG) betrieben, die im Ausland von Tunis Air (TU) vertreten werden. Tägliche Linienflüge zwischen Tunis und Djerba (sechsmal täglich, Flugzeit 1 Std. 05). Täglich Flüge (zweimal täglich mittwochs und donnerstags) zwischen Tunis und Sfax und einen Flug pro Woche zwischen Tunis und Monastir. Tozeur (Sahara) wird zweimal montags und einmal täglich donnerstags, freitags, samstags und sonntags von Tunis aus angeflogen.
SCHIFF: Fähren verbinden Sfax und die Kerkennah-Inseln zweimal täglich, Djorf und die Insel Djerba regelmäßig tagsüber.
BAHN: Züge der SNCFT verbinden Tunis, Hammamet, Nabeul, Sousse, Sfax, Sbeitla, Kasserine, Mateur, Bizerte, Tabarka, Beja, Ghardimaou und Gabès. Fahrkarten sollten vor Reiseantritt gekauft werden, andernfalls muß man den doppelten Fahrpreis zahlen. Mehrere Züge verkehren täglich auf allen Strecken, einige haben Klimaanlagen oder Speisewagen.
BUS/PKW: Tunesien hat ein gut ausgebautes Straßennetz. Bei Pannen hilft kostenlos die Garde Nationale (Nationalgarde) - normalerweise wird die nächste Werkstatt benachrichtigt. Fernbus: Die Société Nationale des Transports und andere Buslinien verbinden die Städte und sind preiswert und verhältnismäßig bequem. Passagiere dürfen 10 kg Gepäck ohne Aufpreis mitführen; jedes Gepäckstück muß registriert werden. Die größte Schwierigkeit besteht darin, herauszufinden, welcher Bus wann wohin fährt. Langstreckentaxis werden Louages genannt und dürfen bis zu 5 Fahrgäste transportieren. Wenn das Taxi voll besetzt ist, fahren sie zu jedem gewünschten Reiseziel in Tunesien. Es gibt viele Louage-Haltestellen; sie sind das schnellste öffentliche Verkehrsmittel, und die Preise sind den Bus- und Bahnpreisen ähnlich. Mietwagen können in Tunesien recht teuer sein. Der Fahrer muß mindestens 21 Jahre und der Führerschein mindestens 12 Monate alt sein. Höchstgeschwindigkeiten: 50 km/h in Städten, 100 km/h auf Schnellstraßen.
Anmerkung: Aus Sicherheitsgründen ist es verboten, in die Sahara zu fahren, ohne dem Posten der Nationalgarde der nächstgelegenen Stadt die genaue Fahrtroute, geplante Dauer und das Endziel mitzuteilen.
STADTVERKEHR: Öffentliche Verkehrsbetriebe (SNT) versorgen alle Städte, die Verkehrsmittel sind zahlreich, aber überfüllt. Es gibt auch Nahverkehrszüge von Tunis zu den Außenbezirken Goulette und La Marsa. Taxi: Innerhalb von Tunis und anderen Städten gibt es nur wenige Stadttaxis, alle haben Taxameter.
Unterkunft
HOTELS: Tunesien hat ca. 160.000 Hotelbetten. Außerdem gibt es überall Feriendörfer.
Kategorien: Die Hotels sind in fünf Kategorien eingeteilt, das Spektrum reicht von Deluxe (5 Sterne) bis einfach, aber sauber (1 Stern).
MARHALAS: Sind umgebaute Karawansereien und bestehen oft aus miteinander verbundenen unterirdischen Häusern. Sie haben ihre eigenen einfachen, aber sauberen Restaurants. Es gibt Marhalas in Houmt Souk, Nefta und Kairouan. In Matmata sind zwei originalgetreue Höhlenwohnungen als Touristenhotels gebaut worden, außerdem sind einige der früher als Kornspeicher genutzten Ksars zu Touristenunterkünften umgewandelt worden.
JUGENDHERBERGEN: Stehen allen Mitgliedern des JHW zur Verfügung. Vorausbuchung wird empfohlen, besonders für Reisegruppen.
CAMPING: Mit der Erlaubnis des Eigentümers, der Polizei oder der Nationalgarde kann man am Strand oder in den Parks zelten. Die größten Campingplätze sind Le Moulin Bleu in Hammam-Plage (20 km von Tunis entfernt); L'Auberge des Jasmins in Nabeul (65 km von Tunis), mit Duschen, Waschbecken, Toiletten, heißem und kaltem Wasser, Geschäft, Restaurant, Freilichtbühnen und einem großen Orangenhain; L'Ideal Camping in Hammamet (60 km von Tunis entfernt) mit Restaurant; Sonia Camping und Caravan in Zarzis (505 km von Tunis) und das Jugendzentrum von Gabès (404 km von Tunis entfernt und nur im Sommer geöffnet).